2019/20 Kisterl's sind wieder auf Reisen

Unsere Reise 2019 - 2020

Reisebericht 6
02.07.2020 - 30.07.2020

Camping Los Madriles in Isla Plana_Centro Commercial Mediterranea, Cartagena_Alicante_München_LKH Graz West


Eine Auswahl aus allen Fotos wird nach unserer Heimkehr als DIA-Show verfügbar sein.

Die Karte zeigt unsere Reiseroute ab Camping Los Madriles in Isla Plana zurück nach Graz


Wenn in unseren Berichten von "roten, gelben oder weißen Straßen" die Rede ist, beziehen sich diese Angaben auf die Farbe der Straßen im Autoatlas (Rot ist breit, Weiß ist ziemlich schmal).

Und hier haben wir übernachtet oder für Besichtigungen geparkt.
Die GPS-Daten stammen aus den Internetseiten der Stell- und Campingplätze, aus Google-Maps und/oder aus BING-Maps und können daher von den echten Gegebenheiten etwas abweichen. Bei manchen Navigationsgeräten müssen bei der Eingabe die Punkte in den GPS-Daten durch Kommas ersetzt und das Grad-Zeichen hinzugefügt werden (z.B. N 37,43785°), um richtige Anzeigen zu erhalten.

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß die Beschreibung der von uns besuchten Plätze, die Preise und alle anderen Beschreibungen nur für die Jahreszeit und Zeitspanne gelten, in der wir uns an den jeweiligen Orten aufgehalten haben.
Bitte Tippfehler bei den GPS-Daten, falls sie vorkommen, zu entschuldigen. Für eine Mitteilung darüber danke ich schon im Voraus.

Pkt = Punkt-Nummer auf der Karte, 005/B/F = Übernachtung-Nr., Besichtigung, Platz für Fotos, W = auch für Wohnwagen,
Pl : CP = Campingplatz, SP = Stellplatz, PP = Parkplatz, Str = am Strassenrand, frei = irgendwo in freier Natur
Ch = Toiletten-Entsorgung, Gw = Grauwasser-Entsorgung, Tw = Trinkwasser, WIFI = Internet (fallweise mit Verstärker) St = Strom, EUR = Preis/24Std
WM = Waschmaschine,ca. 4 EUR / WT = Wäschetrockner, ca. 3,5 EUR
beides haben wir nicht mehr gesondert angeführt, da jetzt schon viele Campingplätze darüber verfügen


Pkt
Ü/B
F
W
Tg
Datum
Pl
Name
Nord
+ = East
- = West
Ch
Gw
Tw
WIFI
St
EUR
01
Ü
W
Mi
01.07.20
CP
CP Los Madriles in Isla Plana
37.57979
-001.19511
-
-
-
---
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--
02
Ü
-
Do
02.07.20
PP
Centro Commercial Mediterraneo bei Cartagena
37.624461
-000.952228
n
n
n
n
n
0
03
Ü
-
Fr
02.07.-12.07.20
--
Hospital General Universitario Santa Lucía in Cartagena
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-
-
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-
-
-
04
Ü
-
So
12.07.-31.07.20
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LKH II in Graz (LKH west)
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Tips :

>>>>>    nichts Neues




Daß diese Reise so abrupt zu Ende geht und so enden wird, hat uns etwas aus der Bahn geworfen. Ich versuche, die bangen Minuten für uns als Erinnerung und Andere zu beschreiben, die aber hoffentlich nie in eine solche Situation kommen sollen. Uns selbst sollen diese Zeilen als Erinnerung an eine schwere Zeit, vor allem für Karin, dienen, denn man vergiß solche Dinge allzu schnell.

Nachdem nach vier Monaten Lockdown von der österreichischen Regierung die Grenzen zu Deutschland und Italien um den 25.06.2020 wieder geöffnet wurden und man nach Passieren einer dieser Grenzen zu hause keine 14-tägige Quarantäne mehr einhalten mußte (wir haben in Graz niemanden mehr, der für uns Einkaufen gegangen wäre), haben wir beschlossen, am 02.07.2020 die Heimreise anzutreten. Allerdings, so wie bei uns üblich, nicht auf direktem Weg. Wir wollten abseits des Weges von Isla Plana nach Le Parthus (Grenze Spanien-Frankreich) noch einige Punkte Spaniens besuchen, an denen wir in all den Jahren vorbeigefahren waren. Weiter sollte es dann über die Provence und dort über einige "Lavendel-Routen" Richtung Italien und weiter über Villach nach Graz gehen.

Wir tankten noch den Wassertank voll und hatten vor, unterwegs in La Ribera WC und Grauwassertank zu entleeren, weil es da leichter geht, und außerdem wollten wir freitags noch einmal die dort angebotene gebratene Stelze genießen.

Aber dazu kam es nicht mehr. Auf dem Weg dorthin wollte Karin im "Espacio Mediterraneo", einem großen Einkaufszentrum bei Cartagena, noch etwas einkaufen.



Espacio Mediterraneo am Abend

Wir setzten uns also in ein Cafe, das schon fast zu unserem Stammcafe im Mediterraneo geworden ist, und tranken je einen Carajillo. Karin geht im 20m enfernten Carrefour einkaufen. In der Zeit wird mir schlecht, ohne Erbrechen, es wird mir schwarz vor den Augen, am ganzen Körper Schüttelfrost, trotzdem ein riesiger Schweißausbruch, Zittern, meine Füße tragen mich nicht mehr. Karin kommt einige Minuten später vom Einkauf zurück. Ich ersuche sie, gemeinsam mit den "Securities" einen Krankenwagen mit Notarzt zu rufen. Ab diesem Zeitpunkt kann ich mich nur mehr an Bruchstücke erinnern, weil ich teilweise ohne Bewußtsein war. Wir wissen auch beide nicht mehr, wie lange es gedauert hat, bis der Notarzt kam - Karin war einfach zu aufgeregt, um auf diese Nebensache zu achten.

Wie ich aus dem Einkaufszentrum zum Krankenwagen gekommen bin und was der Notarzt mit mir gemacht hat, kenne ich nur aus Karins Erzählungen und bruchstückhaften Eindrücken, wie bei Blitzlichtaufnahmen im Dunkeln. Der Notarzt hat offensichtlich gleich erkannt, daß es sich um einen Herzinfark handelt und mich noch am Boden des Einkaufszentrum erstversorgt : Injektion, Dauer-Bludruck-Kontrolle angelegt, Anschluß an ein mobiles EKG-Gerät, dann setzten sie mich in einen Rollstuhl und fuhren mit mir die 100m zum Krankenwagen vor dem Eingang.



Espacio Mediterraneo_Eingang

Dort Umsteigen auf die Trage und ab ins Spital. Den Namen des Spitals (Hospital General Universitario Santa Lucía) hat einer der Sanitäter Karin noch zugerufen, die dann mit einem Taxi nachkam. Ich kann mich noch daran erinnern, wie der Arzt das Spital, das nur wenige Kilometer vom Einkaufszentrum entfern war, angerufen hat.



Hospital General Universitario Santa Lucía



Hospital General Universitario Santa Lucía



Hospital General Universitario Santa Lucía

Jedenfalls stand dort schon ein komplettes Team zu meinem Empfang mit Trage bereit, um mich auszuziehen und in den OP zu schieben. Dort erklärte mir ein OP-Arzt auf English was gerade gemacht wird - offensichtlich war ich vorher wieder einige Zeit ohne Bewußtsein. Ich hatte zwei Verschlüsse, die verhinderten, daß das Herz mit genügend Blut und Sauerstoff versorgt werden konnte. Das Ärzteteam versuchte zuerst über die linke Hand mit dem Katheder zu einer dieser Stellen zu gelangen - das mißlang wegen zu großer Verkalkung der Adern des linken Armes. Dann derselbe Versuch beim rechten Arm. Auch dieser Versuch mißlang, den Grund weiß ich nicht. Dann ein Schnitt in der rechten Beuge beim Oberschenkel. Von dort aus wurden mir dann 2 Stants eingesetzt. Ab dann weiß ich wieder nichts. Karin erzählte mir, daß ich 2 Tage in der Intensivstation gelegen bin. Aufgewacht bin ich jedenfalls in einem normalen Bett, angehängt an einem Überwachungsgerät für Blutdruck, Puls und Sauerstoffkonzentration im Blut.



verkabelt im Hospital Santa Lucía

In der Zwischenzeit hat einer meiner besten Freunde beim ÖAMTC die Routine für eine Rückholung nach Graz in Gang gesetzt. Obwohl sich im ÖAMTC-Ambulanzdienst in Wien ein Mitarbeiter unheimlich engagiert bemühte, meinen Aufenthalt in Cartagena so kurz wie möglich zu halten, dauerte es trotzdem bis zum 12.07. bis der Krankenwagen und ein Platz für mich, Karin und einen Begleitarzt in einem Flieger gebucht werden konnten, da zu dieser Zeit alle Deutschen nach hause wollten und die meisten Plätze in Flugzeugen von Alicante nach München ausgebucht ware.



im Krankenwagen nach Alicante

am Flughafen Alicante



im Flugzeug nach München

im Flugzeug nach München


Vorgesehen und dann auch durchgeführt wurde der Rücktransport per Krankenwagen von Cartagena nach Alicante, von dort nach München auf einer Liege mit normalem Linienflug und von München nach Graz wieder mit Krankentransport. Die ganze Zeit unter ärztliche Kontrolle - zuerst Deutsch sprechender spanischer Arzt im spanischen Krankenwagen, dann ein am Vortag eingeflogener österreichischer Arzt für die Strecke mit dem Flugzeug, der immer wieder Blutdruck und Sauerstoffanteil im Blut prüfte (dieser Wert sollte im Blut 98% betragen, allerdings fällt der Sauerstoffgehalt in der Kabine je länger der Flug dauert bis auf 70%) und mir von einem tragbaren Gerät Sauerstoff zuführte, in München wieder ein deutscher Arzt im Krankenwagen nach Graz - ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt. In Graz war vom ÖAMTC schon ein Bett im LKH West, was ich mir gewünscht habe, gebucht worden. Dort blieb ich dann bis Ende Juli. Die Ärzte des LKH II (West) bestätigten mir, daß die Ärzte in Spanien hervorragende Arbeit geleistet hätten und alles Nötige unternommen hätten, um mein Leben zu retten.

Der Flug für Karin wurde auch vom ÖAMTC übernommen, von ihren Hotelkosten (420 EUR) wurden nur 210 EUR gemäß dem maximalem Betrag lt. Schutzbrief übernommen. Auch die täglichen Taxikosten (ca. 12 EUR/tag trugen wir selbst, da spanische Taxifahrer keine "Belege" kennen. Auch das Hotel von Karin war nur einige Kilometer vom Spaital entfernt.

Nachdem unser Wohnmobil über Nacht ganz allein auf dem etwa 150.000 m2 Parkplatz des Einkaufszentrums (das Bild zeigt nur etwa ein Drittel des Parkplatzes) stehen blieb, entschied sich Karin mutig im Wohnmobil zu übernachten und erst am nächsten Tag ins Hotel zu ziehen. Dort erklärte sich dann eine Receptionistin, die mit Wohnmobilen fahren konnte und durfte, bereit, unser Wohnmobil mit Karin zu holen und auf einen Parkplatz vor dem Hotel zu Stellen.



Parkplatz des Espacio Mediterraneo, wo Karin in nunserem Wohnmobil allein übernachtete


Derselbe Freund, der für meine Rückführung durch den ÖAMTC sorgte, konnte durch seine Verbindungen dafür sorgen, daß unser Wohnmobil nach rund 6 Wochen nach Österreich gebracht wurde. Da unser Wohnmobil schwerer ist als 3,5to, konnte es aus versicherungstechnischen Gründen nicht vom ÖAMTC heimgebracht werden, auch der ADAC (mittlerweile gekündigt) hat es abgelehnt, weil unsere Reise angeblich länger als in deren Richtlinien angegeben, gedauert hat. Der ÖAMTC hat sich aber kulanterweise bereit erklärt, von den Überführungskosten die Diesel- und Autobahnrechnungen (etwa 1/3 der Gesamtkosten) zu bezehlen und ich habe die Bezahlung des Fahrers übernommen. So kam unser Wohnmobil nach sechs Wochen unbeaufsichtigtem Spanienaufenthalt ohne Beschädigung oder Einbruch noch mit vollem WC und Grauwassertank und unter finanzieller Hilfe des ÖAMTCs wieder gut in Österreich an. Wir haben mittlerweile begonnen, es leer zu räumen, um alle vorgesehenen Reparaturen über den Winter machen zu lassen, um es im Frühjahr zu Verkauf anzubieten. Allerdings wurde diese Arbeit im Moment durch meinen REHA-Aufenthalt unterbrochen.

Ich bin sozusagen wegen einer Katze, die sich selbst in den Schwanz beißt, auf REHA. Ich habe jetzt noch einen Verschluß in der Armarterie des linken Armes in mir, den nach 30 Jahren Internisten-Besuche erst die Spanier erkannten, bezeichnet als Subclavian-steal-Syndrom. Das ist eine Durchblutungsstörung des Gehirns. Sie kommt durch eine Verengung einer Armarterie in Nähe des Schlüsselbeins (Arteria subclavia) zustande. Patienten empfinden häufig Schwindel oder Sehstörungen. Bei mir ist es nur ab und zu Schwindel. Durch invasive (im Körper durchgefdührte) Verfahren (z.B. einem Implantat oder einem Beipaß) kann das Subclavian-steal-Syndrom geheilt werden. Allerdings können und wollen mich die Gefäßchirungen nicht operieren,solange mein Blutdruck zu hoch ist (manchmal 200/110) und ich nicht weiter als 100m ohne Atembeschwerden gehen kann, andererseits geht der Blutdruck nur herunter, wenn das Subclavian-steal-Syndrom behoben wird. Jetzt wird dran gebastelt, den Blutdruck zu senken, erst dann kann langsam mit der Erhöhung der Kondition begonnen werden, damit ich weiter ohne Atembeschwerden gehen kann als 100m. Dann sind wieder die Gefäßchirunrgen gefragt.

Ich bin jedenfalls zuversichtlich, daß die Ärzte hier in St.Radegund, für die ich sicher nicht der erste Patient mit diesem Syndrom bin, eine positive Lösung finden werden. Noch bin ich ja zwei weitere Wochen hier.

Glück im Unglück : Ich möchte gar nicht an die Folgen denken, falls mir der Herzinfarkt beim Fahren mit dem Wohnmobil passiert wäre.
Und der zweite Glücksfall : nachdem beim Herzinfarkt angeblich jede Minute zählt, daß das Spital nur wenige Minuten vom Ort des Geschehens entfern war.
Noch einmal Glück und ein Heer von Schutzengeln gehabt, deren Arbeit ich ja eigentlich schon 2017 in Olite überstrapaziert habe.

Noch ein letztes Bild aus Spanien zum Abschied.


am Cabo de Gata


SO SCHÖN WIRD UNS SPANIEN IN ERINNERUNG BLEIBEN


Ende von Reisebericht 6 und möglicherweise auch von allen weiteren.